Vallenar/Chile


Friedemanns Tagebuch

Zusammenfassung aus dem Gästebuch



Dienstag, 11. April
Nach eine Reise von ingesamt ca. 40 Stunden sind wir heute morgen kurz nach 6 Uhr Ortszeit in Vallenar angekommen. Die Reise verlief ohne jegliche Probleme, das Gepäck kam vollständig und unbeschädigt an. Hier hat uns dann erst mal die Hitze mit Wucht getroffen. Nach einem langen kalten Winter in Deuschland trafen uns die 25 Grad wie ein Hammer.
So, nun machen wir uns auf der Parcela mal vertraut und besichtigen den Bau: Es fehlt noch einiges, bevor wir aufschlagen können. Wir sind ja schon vorgewarnt worden, dass Flexibilität erwartet wird ...

Donnerstag, 13. April
Einkaufen in Chile ist eine ganz neue Erfahrung. Zuerst fällt mal auf, dass es hier noch sehr viele Jobs gibt, die so in Deutschland nicht mehr zu finden sind. Da ist zum Beispiel der Parkwächter, der einen Strassenzug zu überwachen hat und die Parkgebühr kassiert. Er klemmt alle halbe Stunde einen Zettel unter die Scheibenwischen. Wenn man dann abfährt kommt er herbeigerannt, zählt die Zettel und kassiert. Im Supermarkt wimmelt es von Sicherheitsleuten. Im Baumarkt ging der Einkauf so vor sich: Man lädt die Waren in den Wagen und schreibt die Artikelnummern in eine Liste. Mit der geht es dann ins Büro. Dort wird eine Rechnung geschrieben. Diese bezahlt man an der Kasse. Dann geht es zu einem Kontrolleur, der den Inhalt des Wagens mit der Rechnung vergleicht. Bevor man dann den Parkplatz verlässt, wird noch einmal das Auto kontrolliert und die Waren mit der Rechnung verglichen. Mit diesen Mehrfachkontrollen sind zum einen Heerscharen von Leute beschäftigt und zum anderen soll der Diebstahl unterbunden werden.
Der Bau selbst macht Fortschritte. Von einem Team wurden die Dachträger verschraubt und werden zur Zeit eingelassen. Das zweiten Team betoniert den Wassertank und Team Nr. 3 macht sich mit der Elektroinstallation zu schaffen. Der Bau selber geht nach chilenischen Massstäben vor sich, d.h. eine Wasserwaage braucht man nicht, Sicherheitsvorkehrungen Fehlanzeige, die Kabel für die elektrischen Maschinen ein Graus für jede Berufsgenossenschaft und das Radio plärrt in einer Lautstärke, dass es einem schon auf den Wecker geht.

Samstag, 15. April
Gestern, Karfreitag, haben wir den halben Tag gearbeitet. Die Betonierarbeiten sind nun abgeschlossen und es geht ans Aufschlagen. Der Nachmitag war frei und gestern Abend besuchten wir den Gottesdienst der evangelischen Gemeinde. In Vallenar gibt es ca. 40 evangelische Gemeinden, wobei sich ein Gruppe von mehr als 3 Leuten Gemeinde nennt. Die Gemeinde selbst hat mit der ONG organisatorisch nichts zu tun. Einige der ONG-Unterstützer sind halt dort Mitglied. (Für die weniger Eingeweihten: ONG ist der Verein, der die Arbeit von Gonzales' und Römis trägt.) Der Gottesdienst selbst ging 2 Stunden und hatte das Geschehen am Kreuz zum Thema. So richtig mitbekommen haben wir natürlich nichts, wie denn auch, ohne Spanisch zu sprechen.

Ostersonntag, 16. April
Wüstentag: Heute verbrachten wir den Vormittag 40 km nördlich von hier, mitten in der Wüste. Solch einen unwirtlichen Ort habe ich noch nie gesehen. Es ist absolut still, nicht mal eine Mücke fliegt rum. Der Boden ist staubtrocken.
Ich wollte noch kurz von der Taufe, die wir gestern besuchten, erzählen. Hier in der Gemeinde wird die Erwachsenentaufe praktiziert. Nach der Bekehrung findet Taufunterricht statt. Eine Taufe hat doch auch weitreichende Folgen z.B. Austritt aus der katholischen Kirche, die Verplichtung den Zehnten zu geben, die Einwilligung die Regeln der Gemeinde zu befolgen oder auch die Gehorsamspflicht gegenüber den Ältesten.
Für uns heißt es morgen wieder arbeiten, denn der Montag nach Ostern ist kein Feiertag.

Ostermontag, 17.April
Die Arbeit hier ist untrennbar mit der Familie Gonzales verbunden. Gestern berichteten sie uns aus ihrem Leben: Beide sind hier in Vallenar geboren und zur Schule gegangen. Ihre Kindheit war von dem geprägt, was viele chilenischen Kinder erleben, Armut, exzessiver Alkoholkonsum. Seit die beiden 16 sind, sind sie zusammen.
Bei Rolando begann nun die Zeit regelmäßigen Alkoholmissbrauchs und Schlägereien. Als später das erste Kind da war, kam es einmal vor, dass Rolando früh morgens nach Hause kam und er buchstäblich das letzte Geld versoffen hatte. Daraufhin beschloss er, das Saufen einzustellen. Sein beruflicher Aufstieg bis zum Hotelmanager brachte es mit sich, dass die nun 5-köpfige Familie in dem Hotel wohnen konnte. Doch Rolando betrog Yanet mit jeder Frau, die er nur bekommen konnte. Yanet begann in dieser Zeit, in die evangelischen Gemeinde zu gehen. Diese Gemeinde wurde zeitweise von Missionar Hans Ziefle aus Simmersfeld geleitet. Plötzlich wurde Rolando sehr krank.
Die ganze Gemeinde betete in der Zeit der Krankheit für ihn und so geschah das Wunder, dass er seine Verlorenheit erkannte und Christus auf Knien um Vergebung bat. In der Zeit reifte in beiden der Entschluss, Gott ihr Leben ganz zur Verfügung zu stellen. Sie verkauften ihre Autos und mit diesem Geld bauten sie auf der Parcela ihr Haus. Die Arbeit wuchs mehr und mehr und so kamen irgendwann mal auch Römis ins Spiel. Die Vision von Rolando und Yaneth: Die Parcela soll der Stützpunkt sein für die Missionierung von Chiles Norden.

Donnerstag, 20. April
So nun ist also das Dach aufgerichtet. Heute abend konnten wir die chilenische und deutsche Fahne hissen und auch das Eukalyptus-Bäumchen wurde festgeschraubt. Für heute abend sind wir in den Familien Abendessen eingeladen. So können wir nun richtig chilenische Kultur tanken.

Samstag, 22.April
Der Tag heute war eher etwas locker. Es ist ONG-Haupversammlung und so haben wir nur einen halben Tag gearbeitet, Rolandos Steaks zum Mittagessen genossen und den Nachmittag frei gemacht.

Sonntag, 23. April
Auf einer etwas längeren Fahrt ging es ins Hinterland. Vallenar liegt am Fluss Huasco und dem sind wir entlang zu seinem Urprung in den Anden gefahren. Wir fuhren auf immer enger werdenden Straßen, bis es eben nicht mehr weiter ging. Die Menschen leben zum Teil in Hütten, da würde man bei uns nicht mal den Hund reinsperren. Und dann fiel mir noch der krasse Gegensatz zwischen Dürre und Fruchtbarkeit auf. Wo bewässert wird, wachsen Wein, Orangen, Oliven. Der Rest ist Sand und Fels. Für Rolando ist Chile die sichtbare Erfüllung von 5. Mose 8, 7-10 (bitte selber nachschlagen). Gerade wenn man die oft einfache Lebensweise der Menschen sieht, sollten wir vielleicht in unserem reichen Deustchland etwas dankbarer sein. Und über unser Regenwetter mag ich nun auch nicht mehr motzen, wenn ich die Dürre hier sehe.

Dienstag, 25. April
Wir sind fast am Ende des Arbeitsteils unseres Aufenthalts angekommen. Donnerstag morgen werden wir abfahren, um den Norden Chiles zu entdecken. Das Haus hat nun ein komplettes, regendichtes Dach, das zwar voraussichtlich in den nächsten Jahren keinen Tropfen abbekommen wird, aber immerhin gibt es ja auch des öfteren Nebel. Die Frisch- und Abwasserversorung ist auch fast fertig und Strom gibt es ebenfalls schon auf dem Bau. An der Stelle sollte ich mal die einzelnen Teams vorstellen. Die Holzwürmer: Reinhard aus Walddorf, Werner aus Nagold, Rainer aus Aichhalden und Dieter. Dann haben wir noch Christoph, das Ein-Mann-Team als »Schlepper-und-Auto-und-Moped-Reparierer«. Die Stromer Peter und Weidle als diejenigen, die die Strippen ziehen. Ein weiteres Team ist die Betonier- und Tiefbautruppe mit Rolando, Zivi Simon und mir. Natürlich ist auch die Küche mit Yanet, Angi und Seniora Dina zu nennen, die sich immer abmühen, uns den Teller mit etwas leckerem zu füllen. Über all dem »thront« Roehmi als »jefe major« (oberster Chef) auf dem Bau und Angi mit der Organisation des Ganzen.

Freitag, 28. April
Heute abend sind wir in Antovagasta angekommen, 700 km nördlich von Vallenar. Die gestrige Nacht haben wir sehr stimmungsvoll am Strand in dem Ort Pan la Azucar verbracht. Inklusive Bad im Pazifik. Einige ließen es sich nicht nehmen, Punkt Mitternacht mit Christoph in das Meer zu springen – er wurde heute 18!

Montag, 1. Mai
Wir machen heute Station in der Wüstenstadt San Perdo de Atacama. Heute nacht haben wir in luftiger Höhe von 4300 Metern verbracht, um während des Sonnenaufgangs Geisiere zu beobachten. Die Nacht war kurz und kalt und außerdem hat uns die Höhe doch arg den Atem geraubt.

Mittwoch, 3. Mai
Reisebericht: Pan de Azurcar, mit Übernachtung am Strand und Feier von Christophs 18. Geburtstag. Dann Antofagasta, Sternwarte in Paranal, Calama, San Perdro de Atacama, Laguna de Chaxa, Valle de Luna, Geisiere de Tartia (mit Übernachtung im Freien auf 4300 Metern und gefühlten 5 Grad Frost), Cuquicamata (Besuch der größten Kupfermine der Welt) und dann wieder Vallenar. Ingesamt haben wir ca. 3000 km zurückgelegt.
Heute geht es weiter nach La Serena. Da haben wir ein Häuschen am Strand gemietet. Die Nacht von Donnerstag auf Freitag verbringen wir bei Hans Ziefle in Santiago, ja und Freitag ist dann Abflug.


Das Vereinsrundschreiben des CVJM Sulz am Eck enthält ebenfalls diese zusammengefasste Version des Tagebuchs im PDF-Format. Das »CVJM offline April/Mai 2006 kann heruntergeladen werden unter »Downloads«.

Das ausführliche und originale Tagebuch gibt es natürlich nach wie vor im »Gästebuch«.


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